Umsteigen in einen Beruf im Sozialbereich

Es gibt wohl nur wenig Branchen, in denen Umsteigerinnen und Umsteiger so gute Chancen haben wie im Sozialwesen. Das hat gute Gründe: Hier stehen weniger das Schulwissen oder Computer-Programmierfähigkeiten im Zentrum, sondern vielmehr Lebenserfahrung, Empathie und Freude an der Arbeit mit Menschen.

Mehr als die Hälfte der Lehrabgängerinnen und Lehrabgänger arbeitet nach ein paar Jahren nicht mehr im erlernten Beruf. Die einen leiden unter zu grosser körperlicher Belastung, bei anderen haben die ursprünglichen Vorstellungen über den Beruf nichts mit der erlebten Realität zu tun – und sehr oft fühlen sich junge (und ältere) Berufsleute isoliert und «zu weit weg vom realen Leben». Die ständige Arbeit allein an Bildschirm und Tastatur wird zunehmend als eindimensional und lebensfern empfunden. Kommt dazu, dass zunehmende Digitalisierung und wachsender Innovationsdruck zu Stress und einem Gefühl der Entmenschlichung führen können. Der ständige Wandel und immer neue Anforderungen können dann irgendwann in Überarbeitung, Überforderung und Resignation enden.

Weshalb ein Sozialberuf?

Es gibt wohl kaum ein vielfältigeres Berufsfeld, in dem man sich voll und ganz einbringen kann, in dem man als Fachfrau oder Fachmann gefragt ist, in dem sich Professionalität und Empathiefähigkeit, persönliches Engagement, Gestaltungsfreiheit und Einbettung in eine strukturierte Organisation vereinen.

Wer sich den Umstieg in einen Sozialberuf überlegt, hat die Wahl aus unzähligen Tätigkeitsgebieten: Als Arbeitgeber kommen Heime und Institutionen in Frage, die öffentliche Hand, Firmen, Kliniken, Spitäler, private Betreuungseinrichtungen – und so weiter. Angehörige von Sozialberufen beschäftigen sich mit unterschiedlichsten Menschen: Sie betreuen Kinder, Erwachsene oder Betagte. Menschen, die mit einer physischen oder geistigen Behinderung leben oder die mit schwierigen psychischen Herausforderungen konfrontiert sind. Menschen, die mit belastenden sozialen Umständen zu kämpfen haben, mit anhaltender Erwerbslosigkeit, mit Isolation oder Abhängigkeit. 

Vom Quereinstieg zum beruflichen Aufstieg

Für Quereinsteigende ist es oft eine existenzielle Frage, ob es möglich ist, berufsbegleitend einen qualifizierten Abschluss erlangen zu können. Auch hier gehört der Sozialbereich zu den Branchen, in denen besonders viele Modelle der Aus- und Weiterbildung angeboten werden. Kommt dazu, dass das schweizerische Berufsbildungssystem viele Möglichkeiten der beruflichen Grund-, Nachhol- und höheren Berufsbildung vorsieht, die auch die weitere Qualifikation berufsfremder Quereinsteigender erlaubt.

Oft bildet ein Praktikum den Anfang, in dem die Eignung für einen Beruf im Sozialbereich abgeklärt wird bzw. die Quereinsteigenden für sich selber erfahren, ob ihnen das Tätigkeitsfeld entspricht. Für viele empfiehlt sich dann ein Bildungsweg, der sich stark an der beruflichen Praxis orientiert. Zum Beispiel eine Nachholbildung, in der ein Berufsattest EBA oder ein eidgenössisches Fähigkeitszeugnis EFZ («Lehrabschluss») erreicht wird.

Da im Sozialbereich unterschiedlichste Spezialisierungen möglich sind, wird hier der Grundsatz «kein Abschluss ohne Anschluss» besonders konsequent umgesetzt. Entsprechend bieten die verschiedenen Bildungsinstitutionen der Branche ein riesiges Spektrum an Weiterbildungsmöglichkeiten an, die beispielsweise auf eine Berufsprüfung (eidgenössischer Fachausweis) oder eine höhere Fachprüfung (eidgenössisches Diplom) vorbereiten. Diese Schulen führen regelmässig Info-Veranstaltungen durch. Es lohnt sich, einmal vorbeizuschauen!