Fachfrau Betreuung – Nasrin Amini

4 Tage bis zum Vertrag

Finanzen, Häuser, Kinder: Bei Nasrin Amini (23) standen bei der Berufswahl diese drei Bereiche im Zentrum. Dass sie in der Kleinkinder-Betreuung angekommen ist, betrachtet sie als Wink des Schicksals. Sie ist überglücklich damit, und sie richtet auch ihre weitere Karriereplanung auf die Arbeit mit Kindern aus.

Nasrin Aminis Familie kommt ursprünglich aus Afghanistan. Sie selber ist in Hamburg aufgewachsen, hat dort auch die Schule besucht und mit der mittleren Reife abgeschlossen. Ihre Berufsausbildung musste sie dann allerdings verschieben, denn sie zog mit der Familie für zwei Jahre nach Griechenland. Zwei Jahre später war sie zurück im deutschen Sprachraum, in der Schweiz.
Anfangs war sie bei der Berufswahl unschlüssig. Eine kaufmännische Ausbildung in einer Bank, eher eine im Immobilienbereich – oder doch etwas mit Kindern? Nasrin Amini schaute sich im Internet nach Praktikums- und Lehrstellen um, bewarb sich auch an verschiedenen Orten. Und sie war sicher: Am Ende wird genau die richtige Stelle dabei sein: «Das, was für mich bestimmt ist, soll für mich kommen.» 

«Die Begleitung von kleinen Kindern 
ist spannend und beglückend.»

Unter anderem bewarb sie sich bei der Kindertagesstätte MyKita in Zürich. Postwendend kam eine Einladung zum Vorstellungsgespräch zurück, und nach vier Tagen hatte sie einen Vertrag für ein jähriges Praktikum in der Tasche, mit der Aussicht, danach auch die Ausbildung zur Fachfrau Betreuung dort zu absolvieren.
Sie fühlte sich vom ersten Tag an wohl – und bereute den Entscheid keinen Tag. «Ich komme aus einer grossen Familie, habe rund 60 Cousins und Cousinen und habe mich schon mit zwölf Jahren oft und intensiv mit Kindern beschäftigt. Hier in der Kita fühlte ich mich vom ersten Tag an wohl, und auch die Schule fiel mir leicht. Zwar war der Schulweg mit öffentlichen Verkehrsmitteln vom Aargau nach Winterthur etwas mühsam, aber man kann die anderthalb bis zwei Stunden Zugfahrt pro Schultag ja auch sinnvoll nutzen.» Die Anreise lohnte sich: Nasrin Amini gefiel es in der Berufsfachschule Winterthur (BFS), und der Unterricht überzeugte sie. Ein guter Grund, sich auch an der BFS Winterthur auf die Berufsmittelschule vorzubereiten.

Von der Lernenden zur Gruppenleiterin

Noch während der Lehrzeit erkundigte sie sich, ob sie nach dem Abschluss in der Kita bleiben könne, und sie erhielt auch bald eine Zusage: Nach dem Lehrabschluss wurde sie als Gruppenleiterin einer Kleinkind-Gruppe angestellt, in der Kinder im 
Alter von drei Monaten bis zweieinhalb Jahren betreut werden. Was sie den ganzen Tag zu tun hat? «Füttern und Windeln wechseln», lacht Nasrin Amini. «Aber Spass beiseite: Wir haben ein abwechslungsreiches Programm. Jeder Tag ist anders, aber es beginnt immer mit dem gemeinsamen ‹Zmorge›; die Kinder spielen dann selbständig im Gruppenzimmer, wir gehen mindestens einmal täglich ins Freie, z. B. auf den Spielplatz oder in den nahen Sihlwald. Alle setzen sich zusammen an den Mittagstisch, am Nachmittag basteln wir im Werk-raum oder die Kinder spielen zusammen auf der ‹Piazza›, dem zentralen Raum in der Kita.»
Natürlich hat eine Betreuerin wesentlich mehr zu tun als zu wickeln und zu spielen. Denn in der Kita machen die Kinder wichtige Entwicklungsschritte: Sie lernen gehen und sprechen – und sie entdecken ihre Selbständigkeit. Zu jedem Kind führen die Betreuerinnen deshalb ein Portfolio, in dem seine Entwicklung schriftlich und in Bildern dokumentiert wird. Anhand von Beobachtungsprotokollen, die mit einer externen Fachperson ausgewertet werden, arbeiten sie gezielte Angebote aus, um das Kind altersgerecht zu fördern und es zu unterstützen.

«Natürlich kann man einmal an seine Grenzen stossen. Aber dann reicht oft schon ein glückliches Kinderlächeln, und alles ist wieder gut!»

Ziel: eine eigene Kita

Dass ihre Entscheidung für die Ausbildung zur FaBe richtig war, erlebt Nasrin Amini jeden Tag. «Es ist spannend, mit Kindern wie auch mit Betreuerinnen aus verschiedenen Kulturen und mit unterschiedlichsten Hintergründen zu arbeiten. Natürlich kann man – wie in jedem anderen Beruf auch – einmal an seine Grenzen stossen. Aber dann reicht oft schon ein glückliches Kinderlächeln, und alles ist wieder gut!»
Was für Pläne hat sie für die Zukunft? «Im Moment besuche ich den Prüfungs-Vorbereitungskurs für die zweijährige berufsbegleitende Berufsmittelschule. Später möchte ich studieren, um dann einmal eine eigene Kita zu gründen. Was genau, ob Teamleitung, dipl. Kindererzieherin HF oder Pädagogik, werde ich später entscheiden. In erster Linie fokussiere ich mich jetzt auf meine neue Rolle als Leiterin einer Gruppe und dann die BMS. Die Berufspraxis in den nächsten Jahren wird mir helfen, den richtigen weiteren Bildungsweg zu finden.»

Berufsfachschule Winterthur 

Als kantonale Berufsfachschule bildet die BFS Winterthur Lernende aus verschiedenen Berufsfeldern aus, darunter auch Assistent/in Gesundheit & Soziales EBA (AGS) und Fachperson Betreuung EFZ (FaBe).
Zusätzlich bietet sie weitere Lehrgänge und Kurse an: Bildungsangebote, die den Einstieg ins Berufsfeld erleichtern (Vorlehre), die der Professionalisierung im Berufsfeld dienen oder Qualifikationen über das eigene Berufsfeld hinaus ermöglichen. 
 

Kurz Info