Dozen­tin.
Spital­ange­stellte.
Fami­lien­arbei­terin.

Ruth Studer (57) sagt: «Ich bin eine bodenständige Frau aus der Biosphäre Entlebuch». Sie arbeitet gleichzeitig in der Spitaladministration, als Familienarbeiterin und als Dozentin an der Schule für Sozialbegleitung – dort, wo sie selber ihre wichtigste Weiterbildung gemacht hat.


Aufgewachsen ist Ruth Studer auf einem Bauernhof, zusammen mit elf Geschwistern. Nach der Sekundarschule ging sie, wie damals üblich, ein Jahr ins Welschland. Es folgte eine KV-Lehre; anschliessend arbeitete sie sechs Jahre in einer Bank.
Aber bald war klar: Das war nicht ihre Welt. Sie nahm eine Auszeit, absolvierte die Bäuerinnenschule und begann dann in der Administration des Regionalspitals Langnau zu arbeiten – und diesen Job erfüllt sie nun schon seit 30 Jahren.

«A was bisch grad?»

Neben der Familie – Ruth Studer ist verheiratet und hat zwei Kinder – verspürte sie einen ständigen Drang nach Weiterbildung. «An was bist du gerade?» wurde in ihrer Umgebung zum geflügelten Wort. Sie schloss als Krankenversicherungs-Fachfrau ab, führte dann auch eine Krankenkassenfiliale, erwarb den Fachausweis Sozialversicherungen. 6 Jahre lang unterrichtete sie in der Krankenkassen-Weiterbildung von Edupool, und bis heute ist sie dort als Expertin tätig. Das Thema Sozialversicherungen ist zu einem wichtigen Teil ihres Lebens geworden, denn auch in der Patientenadministration im Spital tauchen immer wieder damit verbundene Fragen auf.
Als sie 45 war, verstärkte sich ihr Wunsch nach einer vertieften Ausbildung im Sozialbereich. Den Hunderten Jungen, die sie an einer Informationsveranstaltung zum Fachhochschulstudiengang Soziale Arbeit antraf, wollte Ruth Studer dann aber doch nicht den Studienplatz wegnehmen. Deshalb suchte sie im Internet weiter und stiess dabei auf die Schule für Sozialbegleitung. Und es war ihr sofort klar: Das ist es!

Mit 50 zum Traumjob

Zur Schule gehört auch die Praxis: Ruth Studer musste sich eine Praktikumsstelle suchen. Was lag da näher als das Spital? Eine Zeitlang war sie deshalb dort gleich in zwei verschiedenen Rollen unterwegs: wie bisher in Administration und Patientenaufnahme und zusätzlich im Sozialdienst. Später kam auch noch ein Praktikum im Bereich Familienarbeit dazu. 
Nach ihrem Abschluss ging sie auf Stellensuche und fand auch gleich genau die Arbeit, die ihr entsprach – bei der Fachstelle Kinderbetreuung Luzern, wo sie auch heute noch mit Begeisterung tätig ist (das Regionalspital Langnau darf aber weiterhin auf ihre Mitarbeit zählen!).
Schon ein Jahr später kehrte sie an die Schule für Sozialbegleitung zurück – diesmal als Dozentin. Zwar hat sie dort nur ein kleines Pensum, doch das genau auf dem Gebiet, das ihr neben der Familienarbeit am meisten liegt: den Sozialversicherungen.

Aufsuchende Familienarbeit

Bei der Fachstelle Kinderbetreuung besucht Ruth Studer im Auftrag z. B. von Behörden, Schulsozialarbeit oder Berufsbeistandschaften Familien, um herauszufinden, ob die Eltern – beispielsweise wenn eine Suchtproblematik das Zusammenleben erschwert – ihren Kindern die notwendigen Strukturen bieten können, um gesund aufzuwachsen. Oft kann bereits der regelmässige Besuch hilfreich sein, manchmal auch die verstärkte Betreuung der Kinder im Hort. Die meisten Eltern spüren selber, wenn die Situation aus dem Ruder läuft, und sind dankbar für die Unterstützung: Auch sie möchten, dass sich etwas ändert. Erst wenn sich herausstellt, dass das Kindswohl stark gefährdet ist, wird auch eine Fremdplatzierung der Kinder ins Auge gefasst, manchmal sogar auf Wunsch der Eltern, die im Moment keinen Ausweg sehen.
Die Familienbesuche erfolgen immer im Tandem: Eine Familienarbeiterin begleitet die Familie vor Ort, beobachtet das Vorgehen und die Reaktionen aller Beteiligten. Ihre «neutrale» Aussensicht – genannt Einsatzleiterin – hilft mit, die richtigen Entscheidungen zu treffen, z. B. durch regelmässiges Coaching. Zuhanden der Auftraggeber wird im Anschluss zu zweit ein Bericht verfasst und eine Empfehlung zum weiteren Vorgehen abgegeben.

Weiterbildung: im Sozialbereich ein Muss

Ruth Studer ist überzeugt: Die ständige Weiterbildung gehört zum Beruf. Natürlich war sie zeitweise mit Familie, Jobs und Schule zu mehr als 100 Prozent ausgelastet. Aber wenn alle in der Familie mitmachen, lassen sich auch Zeiten mit höherer Belastung durchstehen.
Sie erlebt jede Weiterbildung immer noch als grosse Bereicherung, ob es sich nun um eine betriebsinterne Schulung oder einen externen Kurs handelt. Auf jeden Fall ist die Zusatzausbildung in Familiencoaching, die sie kürzlich abgeschlossen hat, nicht das letzte Päckli, das sie in ihren Bildungsrucksack gesteckt hat!

Schule für Sozialbegleitung

Immer mehr Menschen brauchen Begleitung in Krisensituationen und anspruchsvollen Lebenssituationen. Die Schule für Sozialbegleitung bildet seit über 30 Jahren Fachleute aus, die Menschen dort aufsuchen, wo die Probleme sind, um mit ihnen gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Die Ausbildung ist zugeschnitten auf Erwachsene, die ihr soziales Engagement zum Beruf machen möchten. Heute sind Ausbildung und Abschluss als Sozialbegleiterin/Sozialbegleiter anerkannt. Der Bildungsgang wird mit einem Zertifikat abgeschlossen und bereitet gleichzeitig auf die Berufsprüfung vor, Abschluss auf Tertiärstufe B mit eidgenössischem Fachausweis.
Neben der dreijährigen berufsbegleitenden Ausbildung (für Fachpersonen Betreuung und Fachpersonen Gesundheit entfällt der einjährige Grundlehrgang) bietet die Schule für Sozialbegleitung auch vertiefende Weiterbildungskurse und Lehrgänge für Pflegeeltern an.

Kurz Info