Patric Amsler

Vom Ballettsolist zum Dozent

Es gibt Laufbahnen, die alles andere als gradlinig verlaufen. Zum Beispiel die von Patric Amsler (44): Er kam vom Ballett zur Krankenpflege, war in der offenen Jugendarbeit tätig und arbeitet heute in einer Strukturgruppe für Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung und herausforderndem Verhalten. Und vor allem ist er jetzt auch Hospitant im Teamcoaching an der Agogis, der «Heimat» seiner Ausbildung.

Als Teenager und mittleres von drei Kindern musste Patric Amsler mehr Verantwortung übernehmen als ihm guttat. Er wurde «überautonom», und gleichzeitig zog er sich in sich selbst zurück. Seine Überforderung manifestierte sich in körperlichen Problemen. Der Arzt riet ihm zu sportlicher Betätigung – und er entschied sich für Ballettstunden. Er zeigte grossen Willen und viel Talent: Bereits nach einem Jahr erhielt er ein Stipendium für die Ausbildung an der berühmten School of American Ballet in New York. Nach dem Abschluss trat er vier Jahre lang – vor allem als Solist – an verschiedenen Häusern in ganz Europa auf.

Dramatische Wende

Der tödliche Unfall eines Freundes brachte ihn dazu, sein Leben und seine Zukunftspläne zu überdenken. Er verliess die Welt des Tanzes, die ihm immer künstlicher und realitätsferner erschien und gleichzeitig geprägt war durch brutales Konkurrenzdenken. 
Patric Amsler entschloss sich, in die Schweiz zurückzukehren und eine Ausbildung in Krankenpflege zu machen. Aber auch in diesem Berufsfeld fand er seine Rolle nicht. Für ihn war es eine Frage der Attitüde: Statt dem mechanistischen «Hier wirst du geheilt, wir machen das!» wollte er seine Haltung im Kontakt mit Menschen anders verstehen: «Ich möchte Menschen unterstützen, besser klarzukommen mit dem Umstand, in dem sie sich befinden.»
Als Konsequenz nahm er ein Sozialpädagogik-Studium in Angriff – und das nicht an einer Fachhochschule, weil ihm das zu theorielastig erschien. Sondern an der Agogis, von der er sich einen engeren Praxisbezug versprach. 

Soziale Arbeit: ein weites Lernfeld ...

Auch auf dem Gebiet der Sozialpädagogik musste Patric Amsler seinen Platz erst finden. Er arbeitete mit älteren Menschen mit geistiger Behinderung und wechselte dann in die offene Jugendarbeit. Ein interessantes Feld, das aber nicht zu seinem Daheim wurde. Heute arbeitet er in einer Strukturgruppe, einer geschlossenen Wohngruppe für 
Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung und herausforderndem Verhalten, wo er sich intensiv mit Konzepten der Gewaltprävention und Deeskalation auseinandersetzt. Jedes neue Arbeitsgebiet war für ihn auch ein Anlass zur Weiterbildung. So machte er ein Nachdiplomstudium in Sozialer Gerontologie, bildete sich in systemorientierter Sozialpädagogik weiter, absolvierte den FA Ausbildner und wird im Januar 2017 ein Bachelor in Prävention und Gesundheitspsychologie beginnen.

«Ich liebe meinen Beruf.»

Im Moment absolviert Patric Amsler an der aeB Schweiz, in Kooperation mit der Pädagogischen Hochschule Luzern, die Ausbildung zum Dozenten. «Ich liebe meinen Beruf, die Sozialpädagogik. Und diese Liebe möchte ich nicht für mich selber behalten, sondern ich will sie weitergeben.» 
Einen Einstieg in seine Traumtätigkeit hat er gefunden: Die notwendigen Praxisstunden absolviert er im Teamteaching/Teamcoaching an der Agogis Winterthur – in Zusammenarbeit mit der Dozentin, die er während seiner Ausbildung als persönliches Vorbild erlebt hatte. Oder, wie er es formuliert: «Sie hat bei mir das alles angerichtet.» 
Sein Ziel als Dozent ist es, Begeisterung zu wecken auch für «nicht promotionswirksame» Themen und Fächer, die von den Studierenden als weniger wichtig wahrgenommen werden. «Bildung ist meine Leidenschaft. Ich will spannend vermitteln, unmittelbaren Praxisbezug herstellen, vernetzen. Ich stelle hohe Ansprüche an die didaktische Ausrichtung meines Unterrichts. Wenn ich sie erfülle, kann ich den Studierenden neue Sichtweisen eröffnen, und für mich wird die Lehrtätigkeit zum wertvollen Geschenk an mich selber.»

Die Zukunft ist zweigleisig

Kann sich Patric Amsler vorstellen, nur noch als Dozent tätig zu sein? «In den nächsten fünf Jahren eher weniger. In den sozialpädagogischen Institutionen erleben wir gerade jetzt eine faszinierende Entwicklung. Das polarisierte politische und gesellschaftliche Umfeld, die sich verändernde wirtschaftliche Situation, die wachsenden sozialen Unterschiede: Das alles bekommen wir bei der Arbeit hautnah mit, und es verändert auch unsere Arbeit. Ich möchte die damit verbundenen Kämpfe und Hoffnungen vor Ort begleiten – und meine Erfahrung wieder zurück an die Schule bringen. So kann ich dazu beitragen, dass die Studierenden unterschiedliche Ansichten kennenlernen, die sich auch von üblichen Lehrmeinungen unterscheiden können, sie mit unterschiedlichen Priorisierungen konfrontieren – und sie am Ende natürlich auch darin unterstützen, ihr Selbstverständnis und ihr eigenes Rollenbild zu finden und sich weiterzuentwickeln.»

Agogis

Agogis ist die führende Anbieterin von Aus- und Weiterbildungen für alle, die im sozialen oder agogischen Berufsfeld tätig sind oder in diesen Bereich einsteigen möchten. Alle ihre Bildungsangebote orientieren sich an der Praxis und sind durchlässig. 
Im Zentrum stehen dabei Studiengänge auf Stufe höhere Fachschule (Sozialpädagogik HF, Kindererziehung HF), dann Vorbereitungslehrgänge auf Berufsprüfungen und höhere Fachprüfungen mit eidg. Diplom (Arbeitsagogik, Teamleitung) sowie berufsorientierte Weiterbildungen:  Lehrgang Praxisausbildner/in, Kurs Berufsbildner/in, Lehrgang Job Coaching, verschiedene Kurse speziell für Angehörige von Sozialberufen zu Konzepten und Methoden, zur Begleitung im Alltag und zur Begleitung in herausfordernden Situationen. Die Fachkurse werden auch in Institutionen als betriebsinterne Weiterbildungen durchgeführt.

Kurz Info